Café Herzschlag, Dienstag, kurz nach acht. Jadoo stellt Dir einen Milchkaffee hin, ohne zu fragen. Patrick legt die Akte auf den Tisch.

„Fangen wir an."

Tag 1 — Gamskogel-Hütte
Gamskogel-Hütte, 2.200 m · 22:00 Uhr

Tag 1 — Gamskogel-Hütte

Die erste Nacht auf der Hütte ist alles andere als ruhig. Der Schneesturm drückt gegen die Fensterläden, und der alte Kachelofen kämpft tapfer gegen die Kälte. Angela sitzt im Seminarraum und liest — ein Anatomie-Buch über die Bauchöhle — die Göttin im Bauch, das Verborgene im Inneren. Simon poliert ein Stethoskop, das schon sauber ist.

Dann: Klopfen. Ein Hüttengast steht in der Tür. Mitte 60, graues Haar ordentlich nach hinten gekämmt, eine Hand am rechten Oberbauch. Er war beim Abendessen im "Wirtshaus am Wildbach" im Tal, bevor der Sturm ihn auf die Hütte trieb.

„Ich wollte eigentlich nicht stören. Aber der Schmerz..."

Gamskogel-Hütte, Seminarraum

Angelas Untersuchung

Angela legt ihn hin. Systematisch, ruhig. SOCRATES — das akustische Stethoskop der Anamnese. Site: rechter Oberbauch. Character: kolikartig, wellenförmig. Radiation: rechte Schulter.

Dann die Hände auf dem Bauch. Murphy positiv — der Gast zuckt zusammen, hält die Luft an. Blumberg negativ. McBurney unauffällig. Keine Abwehrspannung. Temperatur 37,1°C.

Angelas Diagnose

Gallenkolik. Bekannte Cholelithiasis (Hausarzt, Vorjahr). Keine Peritonitiszerzeichen.

Murphy positiv, Blumberg negativ, Rebound negativ. Temp 37,1°C.

Butylscopolamin 20 mg i.v. + Metamizol 1 g i.v. Beobachtung über Nacht.

Key Decision Point

Der Hüttengast fragt, ob er „nur etwas gegen die Schmerzen" bekommen kann und dann schlafen möchte. Er lehnt eine weitere Beobachtung ab. Was tun Sie?

Option A: Analgesie geben und schlafen lassen

Patient verbessert sich kurzfristig. Morgens: Fieber 38,8°C, Abwehrspannung. Jetzt ist es eine Cholezystitis.

Option B: Analgesie + stationäre Aufnahme empfehlen

Richtig! Gallenkolik kann in Cholezystitis übergehen. Analgesie + Beobachtung ist die korrekte Strategie.

Option C: Keine Analgesie, erst komplette Untersuchung

Patient verweigert Mitarbeit, verlässt den Raum. Analgesie-Verweigerung schadet der Arzt-Patient-Beziehung.

Das Vier-Quadranten-Modell

Das akute Abdomen ist keine Diagnose, sondern ein Syndrom. Die Lokalisation führt zur Organzuordnung.

 Epigastrium
 
 RO LO 
 Leber Magen, Milz 
 Galle Pankreas 
 
 RU LU 
 Appendix Sigma, Kolon 
 Ovar re Ovar li 
 
 Periumbilikal / Mittelbauch
 (Dünndarm, Aorta, Pankreas)

Systematische Untersuchung des Abdomens

Immer in dieser Reihenfolge: Inspektion Auskultation Perkussion Palpation. Auskultation VOR Palpation, da Palpation die Darmgeräusche verändern kann.

1. Inspektion

  • Vorwölbung: asymmetrisch (Tumor, Ileus) vs. symmetrisch (Aszites, Meteorismus)
  • Narben: Hinweis auf Voroperationen Briden, Adhäsionen möglich
  • Cullen-Zeichen: Periumbilikalische Ekchymosen Blutung retroperitoneal (Pankreatitis!)
  • Grey-Turner-Zeichen: Flankenhämatome retroperitoneale Blutung
  • Kaput medusä: Kollateralvenen um Nabel Leberzirrhose, portale Hypertension

2. Auskultation (mind. 60 Sekunden!)

  • Normal: 5–30 Geräusche/min, gurgelnd-blubbernde Töne
  • Hochgestellt/klingend: mechanischer Ileus (Darm kämpft gegen Hindernis)
  • Totenstille (> 5 min kein Geräusch): paralytischer Ileus, Peritonitis
  • Strömungsgeräusche: Stenosen (Mesenterialarterie)
  • Cave: Ein negatives Auskultationsergebnis schliesst Pathologie NICHT aus

3. Perkussion

  • Tympanisch: luftgefüllte Darmschlingen (normal), bei Ileus verstärkt
  • Gedämpft: Flüssigkeit (Aszites), Organomegalie, Tumor
  • Lebergrenze: Perkussion von oben — Dämpfung bei normalem Leberbefund
  • Leberdämpfung aufgehoben: freie Luft! (Perforation sofort handeln)
  • Klopfschmerz: Nierenloge beidseits (Urolithiasis, Pyelonephritis)

4. Palpation (immer von schmerzfreier Region beginnen!)

  • Oberflächlich: Abwehrspannung willkürlich vs. unwillkürlich?
  • Tief: Organomegalie (Leber, Milz), Resistenzen, pulsierender Tumor (BAA!)
  • Rebound: Schnelles Loslassen Schmerz = peritoneale Reizung
  • Husten-Test: Bauchschmerz beim Husten = Peritonitis-Hinweis

Klinische Untersuchungszeichen — vollständige Übersicht

ZeichenTechnikBedeutung
AbwehrspannungPalpation — Muskelkontraktion unter HandPeritoneale Reizung
Rebound-Schmerz (Blumberg)Schnelles Loslassen nach DruckPeritoneale Reizung (sensitiver als Abwehrspannung)
Bretthartes AbdomenPalpation — brettharte Muskelspannung, keine NachgiebigkeitPeritonitis, Perforation — chirurgischer Notfall
Murphy-ZeichenTiefer Druck RO beim tiefen Einatmen Schmerz + AtemstoppCholezystitis (Sens. 65%, Spez. 87%)
McBurney-PunktDruck auf 1/3 Strecke Nabel–SIAS rechtsAppendizitis (Sens. 50–94%)
Lanz-PunktDruck auf 1/3 Strecke SIAS rechts–linksAppendizitis, Ileitis
Rovsing-ZeichenDruck im LU Schmerz rechts untenAppendizitis (Spez. 58–96%)
Psoas-ZeichenExtension rechte Hüfte SchmerzRetrozökale Appendizitis (Spez. 95%)
Obturator-ZeichenInnenrotation flektierter Hüfte SchmerzPelvine Appendizitis (Spez. 94%)
Cullen-ZeichenPeriumbilikal-EkchymosenRetroperitoneale Blutung (Pankreatitis)
Grey-TurnerFlanken-EkchymosenRetroperitoneale Blutung (Pankreatitis)

Differenzialdiagnose nach Schmerzlokalisation

LokalisationHäufige DiagnosenRed Flag-DD
EpigastriumUlkus, Gastritis, GERDMyokardinfarkt (!)
Rechter OberbauchGallenkolik, CholezystitisLeberabszess, Pleuritis
Linker OberbauchPankreatitis, MilzinfarktPerforiertes Magenulkus
Rechter UnterbauchAppendizitis, OvarialzysteIleitis terminalis, EUG
Linker UnterbauchDivertikulitis, SigmatumorIschämische Kolitis
PeriumbilikalAppendizitis (früh), DünndarmMesenterialischämie (!)
DiffusPeritonitis, IleusAortendissektion, Mesenterialarterieninfarkt
FlankeNierenkolik, PyelonephritisBAA (ältere Männer!)
⚠️

CAVE: Myokardinfarkt als abdominales Symptom

Epigastrische Schmerzen können ein Unterwand-Myokardinfarkt sein! Bei V.a. kardialem Ursprung (Risikofaktoren, Ausstrahlung in Arm/Kiefer, Schweissausbruch): EKG SOFORT. Behandlung des Myokardinfarkts hat Vorrang vor abdominaler Abklärung.

Merke: Murphy-Zeichen korrekt durchführen
  • Häufiger Fehler: Druck nicht tief genug, Patient atmet nicht tief genug
  • Korrekter Druck: Fest unter rechten Rippenbogen Patient tief einatmen lassen
  • Positiv: Schmerz + Atemstopp beim Einatmen (Patient „hält die Luft an")
  • Sonographisches Murphy-Zeichen ist sensitiver: Schallkopf direkt auf Gallenblase
  • Falsch-positiv: Leber-Hämatom, rechtsseitige Pneumonie (referred pain!)

SOCRATES — Abdominale Anwendung

Das SOCRATES-Schema strukturiert die Schmerzanamnese und führt zur Differenzialdiagnose.

S
SiteWo genau?

Lokalisation Organzuordnung nach Vier-Quadranten-Modell

O
OnsetWann begann es? Wie?

Plötzlich = Perforation/Ischämie; schleichend = Entzündung

C
CharacterWie fühlt es sich an?

Kolikartig = Hohlorgane; konstant = Entzündung; brennend = Ulkus

R
RadiationStrahlt es aus?

Schulter rechts = Galle; Rücken = Aorta/Pankreas; Leiste = Ureter

A
AssociationsBegleitsymptome?

Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Stuhlveränderung, Hämaturie

T
TimingKommt und geht es?

Rhythmisch = Kolik; konstant = Peritonitis

E
ExacerbatingWas macht es schlimmer?

Bewegung = Peritonitis; Essen = Galle/Ulkus; Husten = Peritonitis

S
SeverityStärke 1–10?

Orientierung; keine zuverlässige Korrelation mit Schwere!

Berghütten-Besonderheit: SOCRATES ohne Diagnostik

Auf der eingeschneiten Hütte stehen keine Bildgebung und kein Labor zur Verfügung. SOCRATES wird zum wichtigsten Werkzeug.

  • Perkussion und Palpation sind die einzigen „Geräte"
  • Wichtigste Fragen: „Haben Sie Fieber?", „Ist der Bauch hart?", „Ist Ihnen schwindelig?"
  • Entscheidungsregel: IMMER vollständig untersuchen bei Schmerzen > 6/10 oder Begleitsymptomen
  • Red Flag: „Der Bauch fühlt sich hart an" Peritonitis-Verdacht sofort handeln

Red Flags — Gefährliche Zeichen

Diese Zeichen erfordern sofortige Handlung und meist chirurgische Konseqünz. Jedes einzelne Zeichen kann lebensbedrohlich sein.

Bretthartes Abdomen

Tonische Abwehrspannung, keine Nachgiebigkeit, tonusartig gespannte Bauchdecke

Peritonitis / Perforation sofortige Transport

Rebound-Schmerz (Blumberg)

Schmerz beim schnellen Loslassen nach Druck — sensitiver als Abwehrspannung

Peritoneale Reizung engmaschige Beobachtung

Fieber >= 38,5°C + Tachykardie

Kombination mit Bauchschmerzen — Systemzeichen der Entzündung/Infektion

Entzündung / Sepsis Antibiotika, Transport planen

Totenstille (Auskultation)

Keine Darmgeräusche über mind. 3 Minuten — alle vier Quadranten

Ileus / Peritonitis akute chirurgische Diagnose

Hämatemesis / Hämatochezie

Frisches Blut aus GI-Trakt oral oder rektal — aktive Blutung

GI-Blutung Glasgow-Blatchford berechnen, Volumen, Transfer

Synkope + Bauchschmerz

Zusammenbruch mit Bauchschmerzen — klassisch für intraabdominale Blutung

BAA / Ektopie / Perforation Schocktherapie, sofort transportieren

Schulter-/Nackensteife + Abdomen

Zwerchfellreizung durch subphrenisches Gas oder Blut referred pain

Perforation mit subphrenischer Luft sofort

Hämodynamische Instabilität

RR , HF , Schocksymptome mit Bauchschmerzen

BAA, Aortendissektion, Massenblutung Leben unmittelbar bedroht

Rebound vs. Abwehrspannung — der Unterschied zählt

Abwehrspannung

Muskelkontraktion unter der palpierenden Hand.

  • Willkürlich: Angst, Kältegefühl, Schutz
  • Unwillkürlich: Peritonitis (reflektorisch)
  • Unterscheidung: Ablenkungsgespräch führen
  • Husten-Test: Peritonitis Schmerz beim Husten

Rebound-Schmerz (Blumberg)

Schmerz beim schnellen Loslassen nach Druck.

  • Sensitiver als Abwehrspannung (Sens. 63–83%)
  • Weniger spezifisch (Spez. 55–66%)
  • Immer zürst vom Schmerzmaximum weg prüfen
  • Schonendes Alternativtest: Fersenklopf-Test

Schmerz-Charakteristik als diagnostisches Werkzeug

SchmerztypCharakteristikTypische Diagnose
Kolikartig (Wellen)Kommt und geht, Bewegungsunruhe, sehr starkGalle-, Nierenkolik, Dünndarm-Ileus
Konstant + zunehmendBeginnt moderat, steigert sich stetigAppendizitis, Cholezystitis
Plötzlich messerartigMaximaler Schmerz sofort bei BeginnPerforation, Aortendissektion, Embolie
Gürtelförmig + RückenBand um den Oberbauch bis RückenPankreatitis
Konstant + StilleRuhige Lage, Bewegung verschlimmertPeritonitis
Merke: Peritonealer Schmerz vs. Kolikschmerz

Peritonealer Schmerz:

Patient liegt still, jede Bewegung schmerzt, Atemexkursion vermindert, Husten schmerzt

Kolikschmerz:

Patient ist unruhig, wechselt Lagerung, kann nicht stillliegen, sucht Erleichterungsposition

Analgesie beim akuten Bauch

Aktülle Evidenz (NICE, AWMF 2023)

Analgesie VERBESSERT die diagnostische Sicherheit. Mehrere RCTs belegen: Opioide verschleiern die Diagnose nicht — ein entspannter Patient lässt sich besser untersuchen und kooperiert besser. Die historische „Kein Schmerzmittel vor dem Chirurgen"-Lehre ist obsolet und patientenschädigend.

Dosierungsempfehlungen

SituationEmpfehlungDosierung
Leichte Schmerzen (NRS 1–4)Metamizol i.v.1 g i.v. über 15 min
Kolikartig (Galle, Niere)Diclofenac i.m. ERSTLINIE + Buscopan75 mg i.m. + 20 mg i.v.
Mittlere Schmerzen (NRS 5–7)Metamizol + Opioid bei unzureichender Wirkung1 g i.v. + Morphin 2 mg titriert
Starke Schmerzen (NRS 8–10)Morphin titriert i.v.2–4 mg i.v., q5–10min bis Wirkung
Peritonitis-VerdachtAnalgesie TROTZDEM gebenMorphin 2–4 mg i.v. titriert
Nierenfunktion unbekanntNSAID vermeiden, Metamizol bevorzugen1 g i.v. über 15 min

Medikamenten-Steckbriefe

Metamizol (Novalgin)

1 g i.v. über 15 min (NICHT Bolus!)

Mechanismus: COX-Hemmer + zentrale Wirkung + Spasmolytikum (kombiniert)

CAVE: RR-Abfall bei schneller Injektion! Agranulozytose (selten, 1:10.000). In USA nicht zugelassen.

Indikation: Abdominaler Schmerz jeder Art, Kolik, Fieber-adjuvant

Butylscopolamin (Buscopan)

20 mg i.v. (kann wiederholt werden)

Mechanismus: Anticholinergikum hemmt glatte Muskulatur Spasmolytikum

CAVE: Kein Effekt bei Peritonitis (kein Kolik-Schmerz dort)! Tachykardie, Mundtrockenheit, Harnverhalt (ältere Männer!)

Indikation: NUR bei kolikartigem Schmerz! Galle- oder Nierenkolik

Diclofenac

75 mg i.m. ODER 50 mg p.o.

Mechanismus: NSAID: COX-1 + COX-2 Hemmer reduziert Prostaglandine + Ureterspasmus

CAVE: Niereninsuffizienz (GFR < 30), GI-Ulkus/Blutung, Herzinsuffizienz NYHA III–IV, NICHT bei GI-Blutung!

Indikation: ERSTLINIE Nierenkolik und Gallenkolik. Wirksamer als Opioide bei Kolikschmerz.

Morphin

2–4 mg i.v. titriert (q5–10min)

Mechanismus: my-Opioid-Rezeptor-Agonist zentrale Schmerzmodulation

CAVE: Atemdepression (Naloxon bereithalten!), Sedierung, Übelkeit, historisch: Sphincter-Oddi-Spasmus (klinisch irrelevant!)

Indikation: Starke Schmerzen, peritonitischer Schmerz, postoperativer Schmerz

Ondansetron (Antiemetikum)

4–8 mg i.v. q8h

Mechanismus: 5-HT3-Antagonist hemmt Brechreiz zentral und peripher

CAVE: QT-Verlängerung bei hohen Dosen (> 16 mg/d) oder Kombination mit anderen QT-Prolongatoren

Indikation: Begleitende Übelkeit/Erbrechen bei akutem Abdomen

⚠️

CAVE: NSAID bei GI-Blutung absolut kontraindiziert

Diclofenac und alle NSAID hemmen die Thrombozytenaggregation und schädigen die Magenschleimhaut. Bei bekannter oder verdächtiger GI-Blutung Metamizol oder Morphin verwenden. NSAID können eine bestehende Blutung massiv verstärken.

Schmerzerfassung: NRS vs. VAS vs. klinische Beurteilung

  • NRS (Numeric Rating Scale) 0–10: Einfachste Methode, auch telefonisch. Patient gibt Zahl.
  • Wichtig: Schmerz-Score korreliert NICHT zuverlässig mit Schwere der Erkrankung! Ein Patient mit Peritonitis kann 5/10 angeben, ein Hyperventilierender 10/10 bei Gaströnteritis.
  • Klinischer Ansatz: Verhalten beobachten: Bewegungsunruhe (Kolik) vs. Stilleliegen (Peritonitis) vs. Schutzhaltung (Appendizitis)
  • Dokumentation: Schmerz VOR Analgesie, 30 min NACH Analgesie dokumentieren — zeigt auch klinischen Verlauf

Key Points — Akutes Abdomen

SOCRATES
Strukturierte Schmerzanamnese — führt zur DD
4 Quadranten
Lokalisation Organzuordnung Diagnose
Klinische Zeichen
Murphy, McBurney, Blumberg, Psoas, Obturator — jedes Zeichen erzählt eine Geschichte
Red Flags
Bretthartes Abdomen, Totenstille, Synkope + Schmerz sofort handeln!
Analgesie JA!
Schmerzmittel verbessern die Diagnostik — obsolete Lehre verwerfen
Hüttenstempel Nr. 1
Gamskogel-Hütte · Späte Nacht

Hüttenstempel Nr. 1

Der Hüttengast schläft endlich — Schmerzen kontrolliert, Vitalzeichen stabil. Angela hat Butylscopolamin und Metamizol gegeben, genau nach Protokoll. Simon übernimmt die Nachtwache, alle zwei Stunden Kontrolle.

Michael sitzt am Tisch, eine Tasse Tee in der Hand. „Gut gemacht", sagt er leise. „Murphy positiv, Blumberg negativ, Rebound negativ — saubere Befundung. Und das Wichtigste: Du hast die Beobachtung durchgesetzt, obwohl der Patient nur schlafen wollte."

Angela blickt aus dem Fenster. Der Schneesturm hat nachgelassen, einzelne Sterne blitzen zwischen den Wolken. Morgen wird sie tiefer eintauchen: Appendizitis, das dritte Zeichen, der McBurney-Punkt als Wegweiser.

Sie trägt „Hüttenstempel Nr. 1 — Die Göttin im Bauch" in ihr Logbuch ein. Irgendwo in der Küche klirrt ein Topf. Cemile macht heisse Schokolade für alle.

Geschmack auf mehr?

Tante Emma wartet schon auf Dich. Viele weitere Lektionen — sobald die Kasse fertig ist.

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